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Menschen mit MS
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Menschen mit MS:

 



  Profil des Monats Dezember 2009
Aida Alić

Aida Alić

Land: Bosnierin, lebt in Deutschland
Alter: 32
Art der MS: Schubförmig
Jahr der Diagnose: 2000



Im November 1999 hatte ich Sehprobleme auf einem Auge und außerdem Schmerzen, wenn ich die Augen bewegte. Nach einer MRT-Aufnahme und einer Lumbalpunktion sagten mir die Ärzte, es sei zu 75% MS. Wenn ich in den nächsten fünf Jahren keine Probleme mehr bekommen sollte, dann könne ich das Ganze vergessen.

An Ostern 2000 hatte ich dann das Gefühl, ich hätte einen zu engen Rollkragenpulli an. Und dieses unangenehme Gefühl wurde immer stärker, reichte über die Schulter den linken Arm herunter und hoch bis zum Ohr. Mein Mann rief einen Arzt, der ein Haltungsproblem und Rückenbeschwerden diagnostizierte. Mit Spritzen und Tabletten gehe das seiner Meinung nach vorbei. Das „Rollkragengefühl“ kehrte allerdings wieder, darum ging ich ins Krankenhaus, wo mir ein Arzt mitteilte: „Es tut mir leid, Sie haben Multiple Sklerose.“

An die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, kann ich mich nicht mehr erinnern, ich weiß nur noch, dass ich anfing zu weinen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch die Meinung, dass mein Leben nun vorbei ist, da ich ja an einer unheilbaren Krankheit leide. Ich dachte: „Wenigstens ist es nicht tödlich.“

Geistesgegenwärtig machten mein Mann und ich einen Termin bei der AMSEL, dem Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg. Von der AMSEL erzählte mir eine MS-Betroffene aus dem Krankenhaus. Wir ließen uns dort über verschiedene Therapien und ein Leben mit MS aufklären. Dies holte mich wieder in ein normales Leben zurück. Die nächsten zwei Jahre ging ich weiter arbeiten. Es war jedoch schwierig, gegen die Unwissenheit meiner Mitmenschen zu kämpfen, mit Sprüchen wie: „Na ja, wenn sie Probleme mit den Beinen hat, kann sie ja im Sitzen arbeiten.“ Oder: „Ich habe gehört, MS ist ansteckend.“

Nicht nur die Taubheit meiner Beine und die Missempfindungen in der linken Hand bereiteten mir Probleme. Ich war allgemein schlapp, konnte mich schlecht konzentrieren und brauchte viel länger als früher, um Dinge zu erledigen. Je langsamer ich wurde, desto mehr wollte ich mir und anderen beweisen, dass ich alles kann. 100% reichten nicht, es mussten immer 150% sein.

2002 schlug mir mein Neurologe eine Berentung vor, da ich in diesen zwei Jahren mehr krankgeschrieben war als bei der Arbeit. Ich kam abends heim, um mich sofort hinzulegen und musste mich auf meinen Mann und meine Familie verlassen, um meine Hausarbeit zu erledigen. Mit 24 wurde ich dann berentet. Die nächsten Jahre verliefen schön, mein Mann und ich machten das Beste aus allem. Nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns für ein Kind. Dann kam der glücklichste Tag im Leben meines Mannes und mir. Unsere Tochter wurde geboren. Heute ist unser Mädchen zwei Jahre alt und wir sind eine kleine, glückliche Familie. Es ist zwar anstrengend, aber mit der Hilfe meines Mannes und unserer Familie haben wir alles geschafft.

Letzten Winter bin ich in ein Tiefes seelisches Loch gefallen und hatte keine Lust mehr zu kämpfen, da die MS sich eben verschlechtert hat und ich massive Gangschwierigkeiten, Gleichgewichtsprobleme, starke Ermüdungserscheinungen hatte. Dann kam die Plakat-Aktion mit der AMSEL für den Welt MS Tag 2009. Eine AMSEL-Mitarbeiterin fragte, ob ich mitmachen würde, und das tat ich. Mein Portrait auf einem zehn Meter hohen Plakat und Postkarten in Cafés und an öffentlichen Plätzen! Leute erkannten mich auf der Straße und ich bekam eine Menge Post über das Social Web. Alle erzählten mir, wie ihnen die Kampagne gefalle und dass sie mich dafür bewunderten, wie offen ich mit der Krankheit umgehe. Nach der Kampagne engagierte ich mich etwas mehr in der Kleinkinderbetreuung meiner Tochter, machte kleinere Dienste wie Kopierarbeiten oder ähnliches. Ich lebte wieder!

Aida Alić & Husband
Aida und ihr Mann vor dem
World MS Tag Poster in Stuttgart, Deutschland


Mein Lebensmotto lautet: "Ich lasse mich von der Krankheit nicht unterkriegen, probiere erst einmal alles aus. Und für die Dinge, die ich nicht allein schaffe, hole ich mir Hilfe.“ Aus diesem Grund möchte ich Danke sagen an meine Familie, meine Freunde und an alle, die mich unterstützen und mir das notwendige Verständnis entgegenbringen, das ich brauche.

MSIF bedankt sich bei Patricia Fleischmann aus AMSEL für die Übersetzung dieses Textes.

AMSEL


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