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Menschen mit MS
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Menschen mit MS:

 



  Profil des Monats: Januar 2006

Rajiv Virat

Rajiv Viratich bin das jüngste Kind einer indischen Familie mit zwei Brüdern und einer Schwester. Mein Vater ist ein pensionierter Regierungsbeamter und meine Mutter Hausfrau. Ich hatte meine ersten Symptome 1998, und 1999 wurde bei mir MS diagnostiziert.

Heute bin ich zwar an den Rollstuhl gebunden, aber frei von geistigen und emotionalen Belastungen. Wenn ich auf mein Leben seit Ausbruch der MS zurückblicke, sehe ich ein ausgeprägtes und definitives Reifen meiner Persönlichkeit. Viele bewältigte Hürdenläufe, viele Herausforderungen frontal genommen und einige Meilensteine erreicht.

Bis zu meinem 18. Lebensjahr verlief mein Leben wie das jedes anderen Teenagers. Ich war ein überzeugter Fußballspieler und ein Leben ohne Fußball war für mich nicht vorstellbar, auch nicht in meinen kühnsten Träumen. Dennoch ging das Leben nach dem MS- Schock, der aus heiterem Himmel kam, weiter.

Die MS tritt in mein Leben.

Ich war 18 und am Höhepunkt meines Schullebens, als die MS zuschlug. Der Schub kam während einer Prüfung. Ich verlor die Kontrolle über meine Hand, gefolgt von Inkontinenz. Als der Prüfer bemerkte, dass ich nicht spielte, wurden meine Beschwerden ernst genommen und ich wurde ins Spital gebracht. Der Rest ist Geschichte. Ich verbrachte 10 lange Tage im All India Institute for Medial Science, wo Methyl Prednisolone in meinen Körper gepumpt wurde. Das MRI zeigte zwar einige demyelinisierte Läsionen ohne aber auf MS hinzuweisen. Die Diagnose war nicht eindeutig und ich wurde gegen Darminkontinenz behandelt. Schließlich kehrte ich zu meinem normalen Leben zurück und ging wieder zur Schule. Ich holte den verpassten Lernstoff nach, ging weiter in die 12. Klasse ohne an das Geschehene zu denken.

1999 kehrte scheinbar der Alltag zurück. Ich spielte wieder Fußball und alles verlief gut bis zum 19 Februar. Plötzlich, während ich für meine Abschlussprüfungen für die 12 Klasse lernte, bekam ich stechende Schmerzen in meinem Kreuz, verlor die Kontrolle über meine Blase, verlor die Kraft in meinen Beinen und konnte nicht mehr auf ihnen stehen. Wieder kam ich für eine weitere Runde einer Puls-Therapie ins Spital. 13 lange Tage verbrachte ich ohne ein Leben in meinen Beinen zu spüren, ein MRI bestätigte die Diagnose MS. Ich brauchte 8 entscheidende Monate, um zu begreifen, dass sich das Leben für mich drastisch und irreversibel veränderte. Kein Fußball, keine Schule, kein Laufen.

Das Szenario war düster. Beschränkt auf ein Zimmer in meinem Haus, verbrachte ich die Zeit an die Decke starrend, litt an Dekubitus Ulcers und kämpfte mit vielen Dingen des alltäglichen Lebens. Ich nahm orale Steroide. Ich musste meine Prüfungen um zwei Jahre verschieben. Lähmende Schwäche, Müdigkeit und trübe Gedanken des Verlustes beherrschten meine Gefühle. Dann kam ich mit dem Spital für Wirbelsäulenschädigungen in Kontakt und begann eine Physiotherapie für 1 ½ Jahre. Einer meiner Brüder musste mich ins Spital bringen, ich war von ihnen abhängig.

Das Gefühl, dass dies nicht der Weg war, den mein Leben einschlagen sollte, dominierte zunehmend meine erwachenden Gedanken und ich entschloss mich, über mein Leben eine Bestandsaufnahme zu machen. Ich war nicht gewillt, ein Leben wie dieses zu führen. Die mir innewohnende Natur, mein Killerinstinkt (das Beste zu tun) und der Sportler in mir geboten mir neu zu beginnen. Morgens machte ich Physiotherapie und nachmittags lernte ich privat für meine Abschlussprüfungen. Ich absolvierte Sanskrit, Wirtschaft und Buchhaltung mit Erfolg. So begann meine Reise in Richtung Unabhängigkeit. Ich hatte eine Aufgabe im Leben und ich entschloss mich jeweils eine Brücke zu überqueren.

Meine Reise in ein unabhängiges Leben

Es gab nicht viele Institutionen, die es mir ermöglichten, meine Studien zu verfolgen. Ich ließ mich nicht entmutigen, bis mir mein Berater Shivjeet Raghavan vom ISIC riet, mich beim Pan American Institute für medizinische Übersetzung anzumelden. Ich absolvierte eine Aufnahmeprüfung, die mir sehr leicht fiel. Ich fuhr mit einer Autorikscha zu dem Institut, wo mich erst mein Bruder, dann ein Taglöhner des Institutes in den 4. Stock trugen. Dort zu studieren war eine Herausforderung für mich und oft wurde ich durch Bemerkungen wie „Ein MT braucht Fußpedale um Akten anzulegen, wie kannst du das machen? Wer wird dir einen Job geben?“ entmutigt. Aber ich weigerte mich aufzugeben und meine Behinderung beleidigen zu lassen: schließlich wurde ich mit meinen ausgezeichneten Noten, von einer Medizinischen Übersetzungsfirma ausgesucht. Ich konkurrierte mit MT Kollegen ohne Behinderungen und bewies meine Fähigkeiten. Schnelligkeit wurde zu meinem Ziel und meiner Stärke. Allmählich nahm man mich wahr und nach Abschluss meiner Ausbildung mit einem akademischen Grad begann ich im Produktionshaus des Institutes zu arbeiten. Nach zwei Jahren bekam ich weitere Angebote. Ich erreichte einen neuen Meilenstein! Ich war jetzt ein MT, der für dasselbe Institut arbeitete.

Rajiv Virat in the Hutch MarathonMit finanzieller Unterstützung meiner Schwester und meinem schwer Erspartem kaufte ich mir mein erstes behindertengerechtes Auto. Jetzt bin ich stolzer Besitzer meiner eigenen Medical Transription Firma, Medtrans Solution. Ich möchte noch meinen Abschluss in Handelswissenschaften an der Universität Neu Dehli machen.

Meine erste Leidenschaft, der Sport, ist nach wie vor integraler Bestandteil meines Lebens. Seit drei Jahren spiele ich Rollstuhltennis, bei der Neu Delhi Rasentennis Association, unter 7-8 Rollstuhl Tennisspielern bin ich sogar der Jüngste.

Mitglieder der International Tennis Föderation beobachteten mich spielen und beschieden mir: „Sie haben Talent“. Das fühlte sich großartig an und gab mir zusätzliche Kraft auf meinem selbstgewählten Weg weiterzugehen- das macht mein Leben zu einem Beispiel für alle MS- Betroffenen- Unsere Ziele selbst festzusetzen!

Die indische Multiple Sklerose Gesellschaft, Dehli und ich

In der Zwischenzeit kontaktierte mich die MSSI- ich hatte mir eine Assistenz gesucht- dennoch bot mir die Indische MS- Gesellschaft ihre Hilfe und Unterstützung an...und so mischte ich mich unter die Mitglieder, die sich in den verschiedensten Stadien der Krankheit befanden. MSSI Delhi erkannte mein Potenzial. Ich bin stolz, dass mich die MSSI im letzten Monat einlud, als jüngstes Mitglied in deren Vorstand von 2005-08 einzutreten. Meine Aufgabe ist es, Bewusstsein zu schaffen.


Das Wolfensohn Zertifikat

Ich wurde von der MSSI eingeladen allen Versammlungen beizuwohnen und besuchte die jährliche Generalversammlung in Kolkata. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich und ich bekam einen guten Einblick in die verschiedenen Bereiche der Arbeit der MSSI. Ich wurde für den prestigeträchtigen Internationalen Wolfensohn- Preis nominiert. Das Gefühl, Hindernisse überwunden zu haben, gab mir ein großartiges Gefühl des Erfolges und machte mich stolz. Als ich mit dem Zertifikat ausgezeichnet wurde, war es nicht nur wegen meines persönlichen Sieges, sondern es war auch ein Symbol für die Unabhängigkeit aller Menschen mit MS und ihren PflegerInnen.

Großartige Neuigkeiten!

The Times of IndiaAm 14. Oktober entschloss ich mich, beim prestigeträchtigen Marathon in Delhi teilzunehmen, bei dem sich LäuferInnen aus aller Herren Länder versammeln. Kurz entschlossen wollte ich mich anmelden, aber die Anmeldefrist war schon vorüber. Mit der Hilfe der MSSI gelang es mir, meine Teilnahme durchzusetzen. Ich nahm am 4,3 km Lauf teil, und war Teil einer Gruppe von Sportlern und Celebrities aus allen gesellschaftlichen Schichten. Und ich schaffte es. Ich gewann den Preis der „Special Kategory“ und bald darauf erfuhr ich, wie es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen. In einer bekannten Zeitung schrieben sie über mich und ich wurde von einigen TV- Anstalten interviewt. Die glücklichsten Momente für mich waren Gespräche über MS, die MS- Gesellschaft und mich. Ich erfüllte einen Teil meiner Mission: die MSSI und ihre Abteilung von Delhi erhielten viel Aufmerksamkeit und konnten ihre Botschaft: „man soll nie aufgeben“ effektiv unter die Menschen bringen.

Jetzt wurde ich eingeladen, am Mumbai- Marathon teilzunehmen, der am 15. Jänner stattfindet. Die MSSI arbeitet schon daran und ich halte meine Finger verkreuzt, um wieder gewinnen zu können. Ja, ich bin zuversichtlich!

Zukunftspläne

Durch die Berge des Himalaja Gebirges zu fahren und die Spitze der Leh Berge und Ladaks mit vier anderen behinderten Personen zu erreichen. Das ist die höchste befahrbare Straße der Welt. Das hätte ein großes Ereignis werden sollen, unterstützt von zahlreichen Organisationen und Medien. Aber starker Regenfall und Erdrutsche vereitelten dieses Unternehmen im Juli 05. So wurde es auf Anfang nächsten Jahres verschoben.
Mein Anliegen bei dieser Tour ist es, auf Menschen mit MS aufmerksam zu machen, Bewusstsein für sie zu schaffen und sie wissen zu lassen, dass das Leben nicht mit MS aufhört.

HimalayaFrüher fühlte ich mich als MS- Betroffener inkomplett, aber jetzt macht mich das Wissen, effektiv meinen Beitrag in der Gesellschaft leisten zu können, zufrieden und stolz. MSSI gab mir das Gefühl nicht behindert zu sein- ich bin nur anders fähig- und das ist wahr.

übersetzt von: Nicole Murlasits


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