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In den früheren Abschnitten dieses Buches wurden vor allem die konventionellen Therapien besprochen, wie sie von Ärztinnen und Ärzten aufgrund wissenschaftlicher Studien angewandt werden. Behandlungsverfahren wie die Interferone oder etwa Tizanidin wurden sehr sorgfältig in klinischen Studien geprüft, bevor sie für die Behandlung von MS zugelassen wurden und selbst dies nur unter bestimmten genau definierten Umständen.
Randomisierte klinische Studien (Randomized clinical trials – RCT) werden angewandt um die Wirksamkeit einer möglichen Behandlungsform zu prüfen und ausgefeilte statistische Methoden erlauben einen Nutzen und Risiken abzuschätzen. Dieser RCT ist der „Goldstandard“ zur Beurteilung von Therapien bei der Multiplen Sklerose und anderen Krankheiten. Es gibt aber verschiedene Behandlungsverfahren, die nicht solchen Prüfungen unterworfen werden. Dazu gehören etwa pflanzliche medizinische Wirkstoffe, Nahrungsmittelzusätze oder Geistheilungsverfahren. Es wird nicht behauptet, dass diese Verfahren wertlos seien, nur wurden sie meistens nicht wissenschaftlich untersucht. Sie können zu Erleichterungen und besserem Wohlbefinden führen oder sie können eine Plazeboantwort bewirken: Dabei fühlt sich der Patient deshalb besser, weil eine Therapie angewandt wird und nicht als Folge der spezifischen Wirkung der angewandten Therapie.
Die Trennlinie zwischen konventioneller oder Schulmedizin, wie sie von Ärztinnen und Ärzten und in Krankenhäusern angewandt wird und der alternativen oder Komplementärmedizin ist nicht immer ganz scharf. In diesem Abschnitt versuchen wir beide Vorgehensweisen zu erklären und einige von den alternativ- und komplementärmedizinischen Verfahren zu beschreiben, wie sie von MS-Patienten angewandt werden.
Die Anwendung der Alternativmedizin ist keineswegs neu. In früheren Jahrhunderten verwendeten die Ärzte Kräuter, Pflanzen, Massage und Wassertherapie ebenso wie Astrologie im Versuch zu heilen oder den Patienten ihr Leben zu erleichtern, ganz ähnlich wie dies die Alternativtherapie heutzutage versucht. Mit zunehmendem Wissen über die Ursachen und Mechanismen von Krankheiten wurden neuere Verfahren angewendet und diejenigen, von denen kein Nutzen nachzuweisen war, wurden wieder verlassen. Das wissenschaftliche Zeitalter brachte neue Methoden, um eine Hypothese zu testen und den Wirksamkeitsnachweis objektiv und kritisch zu erbringen. Es wurde auch vermehrt akzeptiert, dass das Wissen durch ständige kritische Hinterfragung und Forschung vermehrt werden könnte und dass Behandlungsmethoden dauernd sich verändern können. Aus diesem Grund wird alles in Frage gestellt, und die Hoffnung besteht, dass die Veränderungen neue und bessere Behandlungsverfahren ermöglichen.
Unsere Medizin gründet auf wissenschaftlicher Basis, wozu die kritische Analyse und ein steter Wandel gehört, durch welche alte und unbegründete Ideen und Konzepte durch neue ersetzt werden, welche sich auf neues Wissen und neue Forschung berufen. Bei den meisten Alternativtherapien liegt die Grundlage in einer Annahme oder einem Glauben, die nicht in Frage gestellt oder verändert werden dürfen. Es ist verständlich, dass ein Praktiker, der ein bestimmtes Verfahren verwendet, zum Beispiel therapeutisches Handauflegen, dies nicht in Frage stellen oder objektiv untersuchen lassen will, weil dadurch sein ganzes Glaubenssystem in Frage gestellt würde.
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