| Beschreibung: | Ausschaltung von Teilen des Thalamus auf chirurgischem Weg. In neuerer Zeit sollen durch Stimulation des Thalamus über chirurgisch eingepflanzte Elektroden ähnliche Wirkungen erzielt worden sein. |
| Begründung: | Der Thalamus ist eine Schaltstelle in der Tiefe des Gehirns, die für die Kontrolle von Bewegungen mitverantwortlich ist. Durch Thalamotomie oder Thalamusstimulation können Tremor und bestimmte andere unwillkürliche Bewegungen vermindert oder zum Verschwinden gebracht werden. Das Verfahren findet bei einer Vielzahl von neurologischen Krankheiten Anwendung. |
| Evaluation : | Bei der MS gehen Koordinationsstörungen oft mit einem Tremor der Arme oder der Beine einher. Bei Patienten mit schwerem Tremor konnte dieser durch Thalamotomie gebessert werden, ohne dass dadurch andere neurologische Ausfälle beeinflusst worden wären. Für die Operation kamen Patienten in Frage, bei denen der Tremor während mindestens einem Jahr bestanden hatte, um sicher zu sein, dass nicht eine Spontanremission zu erwarten sei. Oft trat der Tremor wenige Jahre nach der Operation wieder auf. Wegen der damit verbundenen Risiken werden Thalamotomien heute seltener durchgeführt. Die Implantation von Elektroden scheint weniger gefährlich zu sein. |
| Risiko: | Die Risiken sind diejenigen wie bei jeder Gehirnoperation. Einseitige Thalamotomie kann zu einer Schwäche des Armes oder des Beines auf der Gegenseite führen, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, des Sprechens oder der Sprache. Diese können auf eine Ausdehnung der Operationswunde durch Blutungen bedingt sein, besonders bei Patienten mit hohem Blutdruck. Es können auch Schübe provoziert werden. Auch wenn eine einseitige Läsion im Thalamus nur ein bescheidenes Risiko birgt, so besteht immer die Gefahr, dass die andere Seite durch die Grundkrankheit in Mitleidenschaft gezogen wird. Dann ist die Gefahr einer schweren Behinderung gross. Eine beidseitige Thalamotomie führt häufig zur Pseudobulbärparalyse mit schweren Sprech- und Schluckstörungen. |
| Kosten: | Die Kosten sind sehr hoch. |
| Schlussfolgerung: | Die Thalamotomie und auch die Thalamusstimulation schaffen die Möglichkeit, den Tremor bei einer kleinen Zahl sorgfältig ausgewählter MS-Patienten zu kontrollieren. Die günstige Wirkung ist aber von beschränkter Dauer und mit erheblichen Risiken vergesellschaftet. |
| Nach Auffassung des Komitees dürfte dieser Therapie einige Wirkung bei schwerstem Tremor zukommen. Sie birgt erhebliche Risiken und ist sehr teuer. |