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Symptome und Behandlungen
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Aus dem Inhalt
MS the Guide:

 


  Müdigkeit

Müdigkeit und erhöhte Ermüdbarkeit, welche definiert werden kann als überwältigendes Gefühl von Erschöpfung, Engergiemangel, die über das hinausgehen, was im Zusammenhang mit einer Aktivität normalerweise erwartet werden kann, gilt als häufigstes und am stärksten behinderndes Symptom der MS. Diese Art der Müdigkeit muss von einer Depression unterschieden werden, auch wenn diese beiden gleichzeitig vorkommen und sich gegenseitig sich verstärken können. Auch praktische Aspekte wie gestörte Schlafmuster infolge schmerzhafter Spasmen oder nächtlichem Wasserlösen müssen bedacht werden. Es wurde versucht, verschiedene Arten von Müdigkeit bei der MS zu unterschieden, zum Beispiel nach körperlicher Aktivität, chronische Müdigkeit und Müdigkeit im Zusammenhang mit einem klinischen Schub. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind nicht geklärt. Verschiedene Masse und Massnahmen zur Evaluation dieses komplexen Symptoms stehen heute zur Verfügung, von denen einige in der Tabelle 4.2 aufgeführt sind.

Programme zum Umgang mit der Müdigkeit sind am wichtigsten: Dieses Symptom als relevant und behindernd anzuerkennen und den Tagesablauf entsprechend anzupassen durch Ökonomisierung der Kräfte und Vereinfachung der Arbeitstechniken. Übungsprogramme werden empfohlen, sind aber nur unzureichend untersucht. In einer Studie wurde aerobische Übungen angewendet: Diese zeigten einen Nutzen in Bezug auf die maximale aerobe Kapazität und die isometrische Muskelkraft, zeigten aber keine Wirkung auf die Müdigkeit, wie sie auf der Fatigue Impact Scale gemessen wurde.




Tab. 4.2. Messgrösse der Folgezustände von chronischen Krankheiten im allgemeinen und MS im besonderen


Ergebnismessungen

BezeichungDefinitionenAllgemeinMS spezifisch
FunktionsstörungKlinische Zeichen/ Symptome als Folgen des Schadens am Nervensystem Functional systems of EDSS Composite measure (US Task Force)
BehinderungEinschränkungen in den Aktivitäten des Alltags als Folge der Funktions-störungenBarthel Index (BI)Functional IndependenceMeasure (FIM)Functional Independence Measure/Functional Assessment Measure (FIM/FAM)Guy’s Neurological DisabilityScale (GNDS)Incapacity Status Scale
HandicapAuswirkungen der Funktions-störungen und Behinderung im sozialen KontextLondon Handicap Scale (LHS)Environmental Status Scale (ESS)
LebensqualitätZufriedenheit mit den Lebensbezügen aus Sicht der BetroffenenShort Form-36 (SF-36)
Nottingham Health Profile
Sickness Impact Profile
MSQoL54
Functional Assessment of MS
(QoL) Instrument (FAMS)
MS QoL Inventory (MSQLI)
Emotionales WohlbefindenGeneral Health Questionnaire
Symptome (z.B. Müdigkeit)Überwältigendes Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung über das hinaus, was entsprechend dem Aktivitäts-grad erwartet werden kannFatigue Impact Scale
Fatigue Severity Scale
MS-specific Fatigue Scale



Medikamente
Zwei orale Medikamente wurden zur Behandlung der Müdigkeit untersucht: Amantadin, ein Virusstatikum, das auch bei der Parkinsonkrankeit eingesetzt wird, und Pemolin, ein ZNS-Stimulans. Eine kleine, randomisierte, kontrollierte cross-over Studie mit Amantadin zeigte einen signifikanten Effekt auf die Müdigkeit im Vergleich zu Plazebo. Im Gegensatz dazu zeigte eine kleine, randomisierte cross-over Studie an 40 Patienten keinen signifikanten Effekt für Pemolin, welches auch bei 25% der Patienten erhebliche Nebenwirkungen aufwies im Vergleich zu Plazebo. In der umfassendsten Studie wurden Pemolin und Amantadin mit Plazebo verglichen. Die Plazebopatienten erhielten Anweisungen darüber, wie sie mit dem Symptom umgehen könnten. Verschiedene Ergebnismessungen wurden eingeschlossen einschliesslich einer allgemeinen Fatigue Severity Scale und die MS-spezifische Fatigue Scale, welche 6 Punkte beinhaltet.
Amantadin zeigte einen Nutzen im Vergleich zu Plazebo in der MS-spezifischen Fatigue Skala, nicht aber in der Skala, welche den Schweregrad der Müdigkeit misst (Fatigue Severity Scale). Kein Nutzen konnte für Pemolin nachgewiesen werden. Aufgrund dieser Studie wird empfohlen, dass Amantadin das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der Müdigkeit bei MS sein soll. Allerdings spielt auch bei den Verummedikamenten ein erheblicher Plazeboeffekt mit. Kürzlich wurden ermutigende Ergebnisse mit Modafinil (Provigil®) publiziert: In einer Einzelblindstudie mit 72 Patienten zeigte sich ein signifikanter Nutzen, der dosisunabhängig sowohl mit 200 mg als auch mit 400 mg zu beobachten war. Ernstere Nebenwirkungen traten nicht auf.
Ein anderes vielversprechendes Medikament ist der Kaliumkanalblocker 4-Aminopyridin, auch wenn er noch nie spezifisch nur in Bezug auf die Müdigkeit untersucht wurde. Es gibt aber eine randomisierte plazebokontrollierte doppelblinde cross-over Studie an 70 Patienten mit MS, in der verschiedene Aspekte dieses Medikamentes untersucht wurden. Es zeigte sich ein signifikanter Nutzen auf der EDSS Skala in der behandelten Gruppe, wobei allerdings häufig Nebenwirkungen wie Missempfindungen, Schwindel und Gangunsicherheit auftraten. Längere Nachuntersuchungen lassen annehmen, dass das Medikament zur Behandlung der Müdigkeit nützlich sein könnte. Gelegentlich traten allerdings, besonders bei höheren Dosen, epileptische Anfälle auf. Eine neuere randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie an 54 Patienten mit progredienter MS zeigte lediglich eine Wirkung auf der Fatigue Severity Scale bei denjenigen mit einem hohen 4-AP Spielgel im Serum. Auch für das 3-4-Di-Aminopyridin zeigten verschiedene Studien einen möglichen Nutzeffekt. Neuere Studien mit 4-AP legen nahe, dass die niedrige Dosis, wie sie klinisch verwendet wird, hauptsächlich durch Verstärkung der synaptischen Überleitung und einer Verbesserung der Muskelfaserspannung zustande kommt und nicht durch eine Wiederherstellung der Leitfähigkeit in demyelinisierten Axonen. Eine umfassende Anleitung aufgrund sogenannter evidenzbasierter Richtlinien bei der Müdigkeit wurden von der MSCCPG veröffentlicht.

Nach Auffassung des Komitees bleibt die Müdigkeit und erhöhte Ermüdbarkeit eines der am stärksten behindernden Symptome bei der MS. Die medikamentöse Behandlung spielt eine geringere Rolle im Vergleich zu mehr praktischen Erwägungen in der Behandlung.


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