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Symptome und Behandlungen
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MS the Guide:

 


  Behandlung akuter Schübe

Bei mindestens 80-85% der MS kommen akute Perioden von Verschlechterungen der neurologischen Symptomatik vor, sogenannte Schübe. Am häufigsten wird ein Schub definiert als ein akutes Auftreten neurologischer Störungen, die mindestens während 24 Stunden vorhanden sein müssen, ohne dass Fieber oder andere Entzündungszeichen vorhanden sind. Während eines Schubes können verschiedenartigste Symptome auftreten.

Magnetresonanzuntersuchungen (MRI) zeigen in dieser Zeit neue aktive Läsionen (Kontrastmittelanreicherung) im Gehirn oder die Reaktivierung oder Vergrösserung alter Läsionen. Auch wenn die meisten Schübe spontan sich zurückbilden, empfehlen doch die meisten Kliniker eine Behandlung derjenigen Schübe, die sich deutlich funktionell auswirken.

Corticosteroide sind der Hauptpfeiler in der Behandlung akuter Schübe. Sie wirken sowohl immunmodulatorisch wie auch antientzündlich, indem sie die Blut-Hirnschranke wieder herzustellen vermögen, die Hirnschwellung (Oedem) vermindern und möglicherweise auch die Remyelinisierung fördern und die Nervenleitfähigkeit der Axone günstig beeinflussen. Die Corticosteroidtherapie verkürzt die Dauer und verringert den Schweregrad der Schübe und beschleunigt die Erholung; es gibt aber keine überzeugende Hinweise dafür, dass die Erholung insgesamt und der langfristige Krankheitsverlauf beeinflusst wird.

Adrenocorticotropes Hormon (ACTH, Corticotropin) zeigte als erstes eine Wirkung auf die Erholung von akuten Schüben. Diese Behandlung wurde weitgehend ersetzt durch kurze Pulse hochdosierten intravenösen (i.v.) Methylprednisolons (IVMP, 500-1000 mg/Tag über 3-5 Tage). Diese Art der Behandlung ist praktischer, zuverlässiger, weist weniger Nebenwirkungen auf und wirkt schneller.

Die Ergebnisse des Optic Neuritis Treatment Trial (klinische Studie mit Patienten mit Sehnervenentzündung) wurden von vielen Neurologen auf alle MS-Schübe verallgemeinert. In dieser Studie waren 457 Patienten mit akuter Sehnervenentzündung (Opticusneuritis) randomisiert worden, um entweder 1000 mg IVMP pro Tag während 3 Tagen zu erhalten, gefolgt von 1 mg orales Prednison pro kg/Tag über 11 Tag, 1 mg orales Prednison pro kg/Tag für 14 Tage und auf der anderen Seite randomisiert in eine orale Plazebogruppe. Der Vorteil, Fälle von Sehnervenentzündung zu untersuchen liegt darin, dass ausserordentlich sensitive Messgrössen verwendet werden können, zum Beispiel Gesichtsfeld, Kontrastempfindlichkeit, Farbensehen, Visus (Sehschärfe). Die Erholung der Sehschärfe war signifikant rascher bei den IVMP behandelten Patienten, der grösste Nutzen zeigte sich bei denjenigen mit einer Sehschärfe von 20/40 oder schlechter zu Beginn. Nach 6 Monaten bestand kein signifikanter Unterschied bezüglich Sehschärfe mehr zwischen den IVMP- und Plazebogruppen. Orales Prednison zeigte keinen Vorteil gegenüber Plazebo.

Überraschenderweise fand sich in den 6 bis 24 Monaten der Nachuntersuchungen, dass das Risiko eines Rezidivs der Opticusneuritis im gleichen Auge sich mit oralem Prednison erhöhte und das IVMP das Risiko eines Schubes, was dann zur Diagnose einer MS führte, um etwa 50% reduzierte. Diese Wirkung war am deutlichsten bei Patienten mit dem höchsten Risiko eines späteren Schubes, das heisst bei solchen mit mehreren Hirnläsionen im MRI zu Beginn der Studie. Diese Ergebnisse müsse im Wissen darum interpretiert werden, dass die Studie selbst nicht daraufhin angelegt gewesen war, die Wirkung der Glucocorticoide auf spätere Schübe zu untersuchen und dass die IVMP-Gruppe nicht blind untersucht wurde und kein Plazebo intravenös verabreicht werden konnte. Drei Jahre später waren die Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen nicht länger signifikant, was bedeutet, das IVMP bestenfalls die Entwicklung der MS verzögert, nicht aber sie verhindert.

Nachuntersuchungen mit Magnetresonanz zeigten überzeugend die Wirkung der Steroide in Form einer Reduktion der kontrastmittelanreichernden Läsionen; dieser Effekt dauerte allerdings nur kurze Zeit an, und neue Läsionen können sich auch schon innerhalb einer Woche nach Behandlung wieder ausbilden.

Obwohl Corticosteroide in der Schubbehandlung weit verbreitet sind, weiss man noch wenig über die optimale Art der Verabreichung. Umstritten ist die relative Wirksamkeit der unterschiedlichen Steroide (zum Beispiel intramuskuläres ACTH vs. intravenöse Steroide vs. orale Steroide) bezüglich optimaler Dosierung und die Frage, ob eine kurzfristige Pulstherapie intravenös gefolgt werden sollte von der Gabe abnehmender Dosen von oralen Steroiden.

Einige Kliniker setzen orale Corticosteroide statt IVMP in der Schubbehandlung ein, vor allem weil dies einfacher einzunehmen ist und die Kosten der Behandlung erheblich reduziert werden. Es wurde gezeigt, dass beide Behandlungsarten des akuten Schubes etwa gleich wirksam sind, allerdings sind die vorliegenden Studien nicht abschliessend überzeugend. In den verschiedenen Studien, die alle relativ niedrige Fallzahlen aufweisen, wurden sehr unterschiedliche Dosierungen der oralen Steroide verwendet.

Andere entzündungshemmende Substanzen, die sogenannten nicht-steroidalen Antiinflamatorika (NSAIDs) wie Aspirin, Indomethacin, Ibuprofen und Naproxen zeigen keine Wirkung bei den MS-Schüben.

Eine kurzzeitige Pulstherapie mit IVMP ist die Behandlung der Wahl bei Patienten mit akuten Schüben. Es gibt prospektive Hinweise dafür, dass diese Behandlung das akute neurologische Defizit verringert, aber ein Langzeiteffekt lässt sich nicht ganz sicher feststellen. Es ist unklar, ob eine ausschleichende Dosierung mit oralen Steroiden den Nutzen erhöht.


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