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Glatiramer Aceta (früher Copolymer-1 genannt) ist ein synthetisches Copolymer, zusammengesetzt aus Alanin, Glutamin, Lysin und Tyrosin, mit einigen immunologischen Vergleichbarkeiten mit einem der wichtigsten Myelinbestandteile, dem basischen Myelinprotein (MBP), ohne dass es selbst enzephalitogen wäre. Die Beobachtung, dass es im Tierversuch der EAE den Ausbruch der Krankheit verhindert, führte zu Doppelblind- Studien. Die grösste von denen war eine Zweijahresstudie in den Vereinigten Staaten an 251 Patienten mit schubförmigem MS-Verlauf (EDSS zu Beginn 0-5). Die Behandlung bestand in täglicher subcutaner Injektion von 20 mg Glatiramer Acetat beziehungsweise Plazebo. Der primäre Endpunkt der Studie war die Schubrate (bezogen auf ein Jahr), welche in der Verumgruppe um 29% reduziert werden konnte. Es gab auch eine Verminderung des Anteils von Patienten, welche schubfrei blieben, sowie der durchschnittlichen Zeitdauer bis zum Auftreten eines neuen Schubes. Ein statistisch signifikanter günstiger Effekt auf die Progression auf der EDSS zeigte sich lediglich bei einer weniger strengen Datenanalyse, und auch dann nur als Trend, aber keinen signifikanten Beweis für eine Wirkung auf das Fortschreiten der Behinderung. Patienten in dieser Studie wurden mittlerweile über 8 Jahre untersucht. Beobachtungen während dieser zusätzlichen Studienzeit sind kompliziert durch eine Ausfallrate von 40 %. Dennoch legten sie nahe, dass die klinische Wirksamkeit von Glatiramer Acetat erhalten blieb. In einer anderen, placebo-kontrollierten, randomisierten Studie wurden speziell MR Parameter untersucht. Eingeschlossen wurden 249 Patienten mit schubförmiger MS und einem Eintritts-EDSS von 0.5 – 5, mindestens 1 Schub in den 2 Jahren vor Studienbeginn und mindestens 1 Gadolinium-anreichernde Läsion im ersten MRI. Über diese kurze Studienzeit zeigten die mit Glatiramer Acetat behandelten Patienten eine signifikante Verminderung der Anzahl anreichernder Läsionen, was dem primären Studienziel entsprach. Interessanterweise erschien dieser Behandlungseffekt um etwa 6 Monate nach Behandlungsbeginn verzögert.
Die Nebenwirkungen von Glatiramer Acetat sind in der Regel gering, dazu gehören lokalisierte Hautreaktionen an der Injektionsseite und eine systemische Reaktion innert Minuten der Verabreichung des Medikamentes in Form von Brustschmerzen, Herzklopfen oder Dyspnoe, die sich immer innert 30 Minuten spontan zurückbildeten. Solche Reaktionen kommen bei einer Minderheit der Patienten vor, in der Regel nur einmalig und nicht unbedingt nur nach der ersten Injektion. Die Nachkontrollen über 8 Jahre zeigen, dass die Behandlung mit Glatiramer Acetat auch über längere Zeit sicher ist und gut vertragen wird. Serumantikörper gegen Glatiramer Acetat können sich entwickeln, aber es scheint keinen Einfluss auf den klinischen Nutzen zu haben, ob sie vorhanden sind oder nicht. Der nachgewiesene Effekt auf eine Verminderung der Schubrate dürfte dadurch verursacht sein, dass die Präsentation bestimmter Myelinantigene gegenüber den T-Lymphozyten blockiert wird.
Nach Auffassung des Komitees bietet Glatiramer Acetat eine wertvolle Alternative zur Interferonbetatherapie für Patienten mit aktiver schubförmiger MS Vermutungen, dass das Medikament auch die Progressionsrate verringert, bedürfen noch der Bestätigung durch weitere Untersuchungen.
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