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Diese Art der Intervention spielt besonders in der sehr frühen Krankheitsstadien eine Rolle, wenn die Immunzellen aus dem Blut sich ihren Weg ins Gehirn und ins Rückenmark durch eine geöffnete Blut-Hirnschranke bahnen. Dies ist die Barriere, welche normalerweise die Blutgefässe vom umgebenen ZNS trennt und damit Gehirn und Rückenmark schützt. Untersuchungen bei Patienten, die mit IFN Beta behandelt wurden als auch bei Tieren mit EAE zeigen, dass die Verminderung der Durchlässigkeit der Bluthirnschranke sehr wirksam ist, um die Bildung neuer Läsionen zu verhindern.
Neuere Substanzen, die in diesem Zusammenhang bei der MS untersucht werden sollen, sind monoclonale Antikörper gegen Adhäsionsmoleküle, rekombinierte lösliche Adhäsionsmoleküle, welche zu aktivierten T-Zellen in Konkurrenz treten und andere kompetitive Hemmstoffe der Adhäsionsmoleküle wie zum Beispiel Selektine. Natalizumab (Antegren®) ist ein monoklonaler Antikörper gegen den Integrinrezeptor Alpha4-Beta1 von Leukozyten, welcher kürzlich untersucht wurde: in Phase II Studien an 213 Patienten mit schubförmigem Verlauf zeigte sich, dass Natalizumab in monatlichen Infusionen über 6 Monate gut vertragen wird und die Bildung neuer Krankheitsaktivität (primäres Studienziel) sowie die Schubrate verringert. Ein grosses Phase III Programm wurde gestartet, sowohl um diese ersten Ergebnisse zu bestätigen als auch, um die Kombination dieser Behandlung mit Interferon Beta zu untersuchen. Die Langzeitwirkung muss erst noch untersucht werden.
In den letzten Jahren fand der Vorgang der proteoyltischen Auflösung der extrazellulären Matrix der Blut-Hirnschranke durch sogenannte Matrix Metalloproteinasen (MMPs) grösseres Interesse. Neuere Studien zeigen, dass die günstigen Wirkungen sowohl der Steroide wie auch von IFN Beta bei der MS mindestens zum Teil auf eine Verminderung der Aktivität bestimmter MMPs zurückgeht, beziehungsweise auf die Produktion von Hemmfaktoren gegen diese MMPs aus dem Gewebe. Solche Hemmfaktoren gegen MMPs sind auch wirksam bei der Unterdrückung der EAE.
Künftige Studien dürften auch die Verwendung neuroprotektiver Faktoren und Moleküle einschliessen, welche das Axonenwachstum fördern, die Verwendung von Wachstumsfaktoren, welche die Proliferation und das Überleben der Oligodendrozyten fördern, das heisst der Myelin produzierenden Zellen sowie die Transplantation von Zellen (zum Beispiel neuralen Stammzellen oder Vorläuferzellen), welche neues Myelin zu bilden vermögen.
Nach Auffassung des Komitees müssen alle Verfahren, die in diesem Abschnitt besprochen wurden, weiter genauer untersucht werden, bevor ihre Bedeutung für die MS bestimmt werden kann. Zur Zeit lassen sie sich nicht für eine Verwendung ausserhalb von sorgfältig geplanten klinischen Studien empfehlen. Auch wenn nun gut belegt ist, dass die Instrumente zur Verfügung stehen, um wirksame Therapieoptionen für MS-Patienten zu schaffen, sollten wir vorsichtig sein, dass in dieser optimistischen Atmosphäre nicht zu leicht neue therapeutische Verfahren aufgrund der Ergebnisse kleiner Studien angewandt werden, ohne dass sie in Phase III Studien mit grossen Patientenzahlen und genügend langer Zeitdauer geprüft werden. Dies wurde kürzlich wieder bestätigt durch die unglückliche Erfahrung mit roquinimex (Linomidâ), einer immunmodulatorischen Substanz, welche in Phase II Studien sehr viel versprechend war, dann aber in einer grossen Phase III Studie zurückgezogen werden musste, in welcher fast 1500 Patienten eingeschlossen waren, weil unerwartete gefährliche kardiovaskuläre Nebenwirkungen eintraten. Bei einer Krankheit wie der MS, bei welcher die Behinderung im allgemeinen über Jahre langsam zunimmt, können schwere Nebenwirkungen, selbst wenn sie nicht häufig sind, die Anwendung eines therapeutischen Verfahrens verunmöglichen. Welches der in diesem Kapitel beschriebene Verfahren in Zukunft zu unserem therapeutischen Armamentarium beiträgt, kann letztlich nur aufgrund der Ergebnisse gesagt werden, die in einem klinischen Entwicklungsprogramm gewonnen werden, welches adäquate Studien von ausreichender Dauer und genügend grossen Patientenzahlen einschliesst.
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