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Die Behandlung des Verlusts der Orgasmusfähigkeit bei MS ist davon abhängig, dass ein Verständnis der hierzu beitragenden Faktoren gewonnen wird. Wenn die Empfindungsfähigkeit der Genitalien oder unterer Körperabschnitte beeinträchtigt ist, dann kann eine stärkere Reizung anderer erogener Zonen, wie beispielsweise der Brüste, Ohren und Lippen in manchen Fällen das Zustandekommen eines Orgasmus fördern. Stimulation der Randbereiche von Körperzonen, die von Taubheitsgefühlen oder herabgesetzter Empfindlichkeit betroffen sind, kann in manchen Fällen als sinnlich oder erotisch anregend empfunden werden. Orgasmen können in vergleichbarer Weise durch verstärkte Stimulation über andere Sinne ausgelöst werden: sexuell ausgerichtete Videos, gemeinsames Beschäftigen mit sexuellen Phantasievorstellungen und neue Sexspiele.
Wenn sich eine verringerte oder veränderte Empfindungsfähigkeit der Genitalien einstellt, sollte unbedingt gemeinsam eine "Körperkarte" entwickelt werden, um die genauen Stellen zu ermitteln, die angenehme, herabgesetzte oder veränderte Empfindungen hervorrufen. Der erste Schritt für das Erarbeiten einer solchen "Körperkarte" besteht darin, den Körper von Kopf bis Fuß systematisch zu berühren (beziehungsweise alle bequem erreichbaren Stellen). Verändern Sie hierbei die Häufigkeit, den Rhythmus und den Druck der Berührung und führen Sie dies circa 15-20 Minuten lang durch. Beachten Sie die Bereiche, die sinnlichen Genuss oder Unbehagen vermitteln oder bei denen eine Empfindungsänderung aufgetreten ist. Ändern Sie die Form und Art der Berührung, um das von Ihnen empfundene Lustgefühl zu verstärken. Diese Übung wird zunächst alleine durchgeführt, während Sie unbekleidet sind und sich in einer für Sie angenehmen Umgebung befinden. Als nächstes informieren Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin [falls gegeben] über Ihre "Körperkarte" und bitten Sie ihn/sie, Sie in ähnlicher Weise zu berühren. Diese Informationen können die Rahmenbedingungen dafür schaffen, sinnliche und erotische Empfindungen erneut zu entdecken. Wenn der Partner/die Partnerin in diese Aktivität einbezogen wird, sollten in den ersten Wochen unbedingt der Geschlechtsverkehr oder sonstige frühere sexuelle Betätigungen vermieden werden. Dies schaltet den "Leistungsdruck" aus und ist dabei behilflich, sich auf die Neuentdeckung des eigenen Körpers zu konzentrieren, wodurch die Intimität gesteigert wird und aktuelle Informationen über sexuell und erotisch stimulierende Körperbereiche gewonnen werden. Wie bei der Behandlung aller weiteren, bei MS auftretenden sexuellen Symptome auch, sind Experimentieren und Kommunikation die Schlüssel dafür, das sexuelle Ansprechen und/oder den Lustgewinn zu maximieren.
Steigern Sie die Stimulation der Genitalien durch starke orale Reizung oder über mechanische Vibratoren, die per Post bestellt werden können. Mit Gurten befestigte Klitorisvibratoren behindern nicht den Geschlechtsverkehr und brauchen nach dem Anlegen nicht weiter bedient zu werden. An der Penisbasis angebrachte Vibratoren können bei Männern die Erektion fördern und sorgen während des Geschlechtsverkehrs für eine direkte Reizung der Klitoris. Über das Netz betriebene Vibratoren erbringen stärkere Stimulierung als batteriebetriebene Geräte, wobei in manchen Fällen jedoch darauf geachtet werden muss, das empfindliche Genitalgewebe nicht zu stark zu belasten. In den "Ressourcen" am Ende dieses Beitrags finden Sie Kontaktinformationen für Versandhäuser.
Wenn sich eine herabgesetzte Orgsmusfähigkeit einstellt, kann es für Frauen mit MS hilfreich sein, Viagra© (Sildenafilcitrat) auszuprobieren. Die wissenschaftlichen Grundüberlegungen für die Anwendung von Sildenafilcitrat bei Frauen basieren auf der biologischen Beschaffenheit des Klitorisgewebes. Die Klitoris besteht teilweise aus erektionsfähigem Gewebe, das sich bei sexueller Erregung der Frau mit Blut füllt. Die zur Blutfüllung dieser Schwellkörper führenden biochemischen Reaktionsprozesse sind den Abläufen sehr ähnlich, die beim Mann eine Erektion hervorrufen. Für Frauen wie auch Männern mit MS wurden klinische Studien zu Viagra© durchgeführt. Auch wenn die Studienergebnisse noch nicht veröffentlicht wurden, so wurden doch Hinweise dafür erbracht, dass dieses Medikament das sexuelle Ansprechen bei Frauen positiv beeinflusst (persönliche Mitteilung, Scott Litweiler, MD, Juni 2000). Viagra© kann bei an MS erkrankten Frauen wirksamer als bei nicht an MS leidenden Frauen mit sexuellen Problemen sein, obwohl für eine definitive Schlussfolgerung weitere Daten benötigt werden. In der Studie mit MS-Patientinnen stuften die Geschlechtspartner dieser Frauen unabhängig von ihnen die Sexualfunktion als "verbessert" ein, was mit den Mitteilungen der Frauen selbst übereinstimmte. Weitere Informationen über Viagra© finden Sie unter "Bewältigung von Erektionsschwierigkeiten".
Ein relativ neu auf dem Markt angebotenes Produkte soll das sexuelle Ansprechen von Frauen verbessern. Es besteht aus einer kleinen Vorrichtung, die an der Klitoris angelegt wird und dafür sorgt, dass sich die Schwellkörper mit Blut füllen (Uprima©). Da der verstärkte Blutzustrom zur Klitoris und zu den Schamlippen als Reaktion auf sexuelle Erregung auftritt, wird argumentiert, dass eine Verbesserung des Blutflusses mit Hilfe der Vakuumvorrichtung das Lustempfinden verstärken wird. Obwohl nicht an MS erkrankte Frauen nach Verwendung der Vakuumvorrichtung verbessertes sexuelles Ansprechen mitgeteilt haben, wurde es bislang noch nicht bei MS-Patientinnen untersucht und sein potentieller Nutzen ist nicht bekannt.
Schmerzhafte oder irritierende Empfindungen des Körpers oder der Genitalien können in manchen Fällen mit Medikamenten behandelt werden. Zur Behandlung dieses problematischen Symptoms werden manchmal Amitriptylin (Elavil©), Carbamazepin (Tegretol©) und Phenytoin (Dilantin©) verschrieben.
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